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Interview Deutscher Wolfgang – 20. Februar 2024

Interview vom 20.02.2024 durch Joscha Berger


Am 2. Oktober 1955 hast du mit gerade einmal 18 Jahren dein Debüt für die 1. Mannschaft in der II. Amateurliga gefeiert und gleich ein Tor erzielt, am Ende standen sogar fünf Saisontreffer zu Buche.

Wie war es in so eine eingespielte Mannschaft um gestandene Spieler wie Josef Zeh, Sepp Starklauf, die Wagner-Brüder, Heinz Brandt oder Georg Herrmann zu kommen?

Das war natürlich eine gestandene Mannschaft mit vielen sehr guten Spielern. Aber wir aus der „A-Jugend“, wie man heute sagt, mussten uns auch nicht verstecken. Wir waren damals Meister 1955 mit der „1. Jugend“  in unserer Liga und mussten uns im Finale der Jugend-Kreismeisterschaft vor 700 Zuschauern (!) in Bug nur knapp dem SC 08 geschlagen geben. Wir Jungen haben uns damals auch was zugetraut und uns den Respekt verdient.

In deiner ersten Saison musste die Mannschaft direkt den bitteren Weg zurück in die A-Klasse gehen, wurde dort aber souverän Meister und schaffte trotz Schwierigkeiten in den Aufstiegsspielen (Aufstockung der Liga) den Wiederaufstieg. Wie hast du diese Saison mit deinem ersten Meistertitel erlebt?


Naja, Meister ist man nur, wenn man viel spielt oder? (lacht) Ich hatte in dieser Saison große Schwierigkeiten gegen meine Konkurrenten  Hans Hofmann und Josef Zeh auf der linken Seite und habe wenig gespielt. Trotz allem, es war eine starke Mannschaft und eine tolle Zeit.

 

Die Folgesaison 57/58 war eine deiner besten Spielzeiten, in der II. Amateurliga gelangen dir 14 Treffer.

Hai, ich hab‘ gar nicht gewusst, dass ich mal so viel Tore geschossen hab (lacht). Ich kann mich nur an das Spiel in Oberlangenstadt erinnern. Bevor der Bus beim Spies losgefahren ist, habe ich noch gesagt „heut mach ich den Hattrick“. War dann auch so, wir haben 1:3 geführt, aber der Isch (Ruderich Georg) war verletzt und der kleine Bernhard Ruderich stand im Tor, der kam nicht an die Bälle ran. Der Schanko (Schubert Georg) hält bei der Freistoßkanone vom Gegner Zipfel den Kopf hin und fällt bewusstlos um. Dann musste noch der Hans Hofmann mit Schlüsselbeinbruch raus, da ging alles schief (lacht), dann haben wir in der zweiten Halbzeit noch 5:3 verloren. Dafür habe ich im Rückspiel daheim wieder einen Hattrick gemacht und wir haben 4:1 gewonnen (lacht).

 

An Spannung nicht gegeizt – trotz der Tormaschinen Manfred Starklauf und Konrad Endres – bis zum letzten Spieltag 58/59 war der ASV nicht gerettet. Platz 14 und Platz 6 lagen nur zwei Punkte auseinander. In einer chaotischen Schlussphase gegen VfL Neustadt Amateur konnte man den nötigen Punkt retten und den Abstieg vermeiden. 

Das Sturmduo Starklauf – Endres war ein Traum. Wagner Otto auf Rechts, Ich auf Links, Brandt Heinz als Spielmacher, Lamm Erwin, Herrmann Georg, Schanko, Starklauf Sepp, Endres Rudi und Hofmann Hans dahinter, der Isch und Reichert Josef im Tor. Das war eine gute Mannschaft mit vielen spannenden Spielen.

 

Du bist mit dem Verein schließlich auch 1964 runter bis in die B-Klasse gegangen. Einige Ältere wie Josef Zeh, Hermann Träg oder Andreas Krämer waren zum Verein zurückgekehrt. Aus der Jugend kamen mit Robert Schaubert, Manfred Igel und Christian Grimm dagegen neue Spieler. Trotzdem konnte der Abstieg nicht verhindert werden. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Es war keine leichte Zeit, aber durch gute Jugendarbeit konnte eine neue Generation aufgebaut werden und der Grundstein für neue Erfolge gelegt werden.  Mit Talenten wie Birk, Lamm, Römer, später auch die Brandts, die Bäuerleins und Grimms konnte man später mehrfach aufsteigen.

 

Auch 1970 warst du Teil der Meistermannschaft und konntest den Aufstieg in die Bezirksliga feiern. Danach warst du in der 1. Herrenmannschaft nicht mehr voll aktiv und hast vor allem in der Zweiten und Altherrenmannschaft viele Spiele absolviert.

Ja, das war nochmal ein guter Abschluss. Mit 33 Jahren habe ich in der 1. Mannschaft aufgehört und vorwiegend Zweite oder Alte Herren gespielt. Trotz all der vorherigen Erfolge, war das dann eigentlich die schönste Zeit. Die Familien waren dabei und der Zusammenhalt war sehr eng.

 

Mit dem ASV warst du an drei Meisterschaften der 1. Mannschaft beteiligt: 1957,1966 und 1970, das ist nicht häufig im Verein!

Ja, aber ich bin auch genauso oft abgestiegen (lacht).

 

Wer waren die besten Spieler, mit denen Du in Deiner aktiven Zeit zusammenspielen durftest?

Brandt Heinz! Spielerisch wie menschlich ein echter Profi; Starklauf Manfred, ein absolut kompletter Mittelstürmer, technisch perfekt, satter Schuss mit links wie rechts; Endres Konrad, auch ein starker abschlussstarker Stürmer. Ich glaube in der Jugend haben wir drei, Manfred, Konrad und ich  95% der Tore erzielt, die anderen durften keine machen (lacht).

Später kamen natürlich mit Lamm Georg und Birk Manfred zwei Ausnahmetalente aus der Jugend.

 

Was macht den ASV so besonders und unterscheidet ihn von anderen Vereinen?

Der Gemeinschaftsgedanke und der starke Zusammenhalt, früher noch im ganzen Dorf, von der Platzeinweihung 1955, über den Tribünenbau bis hin zum Vereinsheimbau, was da mit wenigen Mitteln geleistet wurde. Man muss bedenken, dass der Sportplatzbau mitsamt der Tribüne auch ein Hochwasserschutz für das Dorf war, da wurde auch an die Dorfgemeinschaft gedacht.  

 

Was waren die amüsantesten Geschichten aus deiner aktiven Zeit?

Für mich war auch die Zeit bei den Alten Herren die schönste Zeit, das familiäre Miteinander, dafür war der ASV in der ganzen Region bekannt. Einmal, bei einem Spiel der AH gegen Küps, fuhren gleichzeitig die Küpser nach Sassanfahrt und wir nach Küps. Beide fanden keinen Gegner vor und sind wieder heimgefahren. Am Ende sind wir am gleichen Tag doch nochmal nach Küps gefahren, um dort zu spielen. Die Duelle gegen Küps waren immer speziell, das übertrug sich auch später in die AH, der Stürmer Sachs hatte den härtesten Schuss im Bezirk. Bei einem Elfmeter im AH-Spiel ging der Isch freiwillig aus dem Tor mit den Worten „Ich muss morgen noch auf Arbeit“. Am Ende ging der Brandt Heinz dann ins Tor, hat aber auch nichts geholfen (lacht). Auch zu Beginn meiner Spielerzeit gab es lustige Geschichten, wir sind teilweise zu zwölft im Siebensitzer zu den Auswärtsspielen gefahren, wir jungen Spieler waren auf dem Boden gesessen und wenn der Sprit alle war, mussten wir Spieler zusammenlegen, um weiter zu fahren.

 

Wie sind deine Erinnerungen an den Sportheimbau?

So oft wie ich unten war, hätte ich mir fast ein Bett dort aufstellen können (lacht). Wir haben damals mit 8.000 D-Mark auf der Kasse den Bau begonnen, heute unvorstellbar. Mit viel Fleiß und Zusammenhalt wurde ein für damalige Verhältnisse großartiges Vereinsheim erbaut. Auch bei der Erweiterung des Vereinsheims und Bau des Tennisplatzes war ich noch tatkräftig am Werk (lacht). Hier waren wir ¾ fertig, als das Gerüst während der Arbeiten zusammenfiel, nur durch großes Glück ist niemandem etwas passiert.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft des ASV?

Bleibt in der Klasse, die ist genau richtig für euch, und bleibt euch treu! Absteigen ist nix, aufsteigen ist auch nix, da hast du noch weniger Zuschauer als vorher! Kümmert euch um eure Jugend und schaut, dass vielleicht wieder eine Alte Herren Mannschaft zusammenkommt. Für den Zusammenhalt im Verein ist das ganz wichtig!




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